Lehmann auf Deutsch

Von iBook Volume VII: [wird bald kommen!] Lehmann Photos from German iBook

Eine Auswahl von Dokumenten die Lotte Lehmann auf Deutsch zeigen.

Lotte Lehmann auf DeutschNach ihrem Debüt als einer der drei Pagen in Wagners Lohengrin am Hamburger Stadttheater wurde Lotte Lehmann sogleich daselbst engagiert; 1914 an die Wiener Hofoper berufen, “fand sie höchste Anerkennung als Wagner- und vor allem Strauss-Sängerin” (MGG VIII, 497). Größte Triumphe feierte sie als Marschallin in Strauss’ Rosenkavalier – “in deren Interpretation sie ohne Vorgängerin und fast auch ohne Nachfolgerin geblieben und in der das Einzigartige ihres Künstlertums und ihres Stimmcharakters zu letzter harmonischer Durchdringung gelangt ist” (ebd., 497f.). Weltweite Tourneen unternehmend, war sie seit 1934 an der New Yorker Met verpflichtet und sang im selben Jahr auch in Toscaninis erstem amerikanischen Radiokonzert. Sich zusehends seit den 40er Jahren – zu deren Beginn sie nach Santa Barbara übersiedelte – von Konzert und Oper zurückziehend, lebte sie als Gesangslehrerin, Malerin und Autorin einiger Bücher bis zu ihrem Tod in Kalifornien.

Von Operalounge.de:

Singenden Groß- und Urgroßmüttern in eroticis zu begegnen, ist nicht jedermanns Sache. Es klingt befremdlich und rührend, dem matronenhaften Timbre und Oh-Gott-wie-geschieht-mir -Ton nimmt man die echte Leidenschaft nicht ab, hält sie für eine Verirrung bzw. leere Pose aber so beruhigen Sie sich doch, gnädige Frau!. Kurz, historische Stimmen zu hören verlangt, die Schwelle des Unverständnisses zu überwinden, welches die Generationen voneinander scheidet. Zwei, drei Generationen zurück trifft man nur noch Rätsel.

Wer alte Platten hört, verabschiedet sich auch bald von der Legende, dass früher viel besser gesungen wurde als heute. Das stimmt nicht. Der Durchschnitt war genauso traurig, nur fehlen uns die Leuchttürme, die hundert Jahre überstrahlen mit zunehmender Leuchtkraft, denn jetzt weiß man, dass ein Jussi Björling, eine Kathleen Ferrier nicht hereinschneien werden wie das nächste Christkind. Es sind Solitäre oberhalb der Zeiten und zu ihnen dürfte auch Lotte Lehmann rechnen, deren gesamte Schellackhinterlassenschaft das wundervolle Label Marston jetzt in Volume 2 (Lotte Lehmann, Vol. 2 Odeon Electrical Recordings: 1927-1933/ 56004-2; 6 CDs) bis zum Jahr 1933 digital restauriert hat. Die zwei schmucken Schachteln enthalten die akustisch, per Trichter aufgenommenen Titel von 1914 – 26 und die elektrisch, per Mikrofon hergestellten bis 1933. Von einer 22-jährig begonnenen Karriere ist die Spanne zwischen 26 und 45 dokumentiert, die vokale Blüte.

Die Stimme ist phonogen; zumindest das, was elektrisch von Odeon eingefangen wurde, gibt sie natürlich und plastisch wieder. Das Etikett ‘historische Aufnahme’ schwindelt, wenn damit eine eingeschränkte Klangqualität gemeint ist. Der Klangmatsch, in welchen heutige Studios den klassischen Gesang tunken, ist auch eingeschränkt. Man bekam mit den bescheidenen Mitteln von 1929 ein realistisches Vokalportrait hin, und bekommt mit dem digitalen Quirl von today ein Tofu ohne jeden Fleisches Erbteil. Nur kein Hochmut gegen Schellackscheiben! Den kann man sich ebenfalls an den Hut stecken, vergleicht man sie mit ihren modernen Umschnitten:

Gewöhnlich werden EMI/Warner, DGG, Naxos oder Marston hoch gepriesen, was sie alles aus den alten Rillen herausholen. Mehr als jemals drin war! Der böse Verdacht sei einmal geäußert, dass diese Juroren noch nie ein gut erhaltenes Exemplar von 1929 auf einer erstklassigen Maschine der Zeit abgespielt haben. Alles passt. Man setzt sich hin, auf Ehrenwort! Jeder seriöse Sammler weiß das.

Marstons Reproduktionen sind vergleichsweise vorzüglich, besser als die der major labels, aber nie so lebendig wie die Originale. Selbst mit einem billigen Lenco oder Dual abgetastet, ist die Körperlichkeit der Stimme, ihre Plazierung im Raum naturgetreuer als die digitalen Klone im wattigen Nirwana. Will sagen, in der Reproduktionsfrage bleibt noch was zu tun übrig. Wer seine Lotte liebt – raus auf den Flohmarkt! Wer von ihr eine enzyklopädische, nach kompletten Aufnahmesitzungen geordnete, penibel dokumentierte, proper aussehende Edition wünscht, die er nie und nimmer aus anderer Quelle zusammenträgt, der ist mit Marston erstklassig bedient.

Lehmanns Kunst trägt die Züge ihrer Zeit, mehr noch die ihres Naturells. Ihrer ist der permanente Überschwang. Selbst wo sie linear singt, ohne Huch und Hach, herrscht Fiebertemperatur, nie weiht sie nur der Schönheit ihr Leben, sondern dem Ausdruck der Befindlichkeiten. An dieser höchst fraulichen Mitteilsamkeit erkennt man sie nach dem vierten Ton. Er krallt sich in den Hörer hinein, da gibt’s kein Entrinnen.

Viel ist von den Gesangspäpsten über die steife Tonemission geschrieben worden, das Forte in hohen Lagen kommt zu schrill, im Brustregister wechselt abrupt die Farbe, Maria Cebotari gelingt das cremiger, aber es zählt nicht. Lehmanns Organ oder vielmehr sein Einsatz besitzt eine Physiognomie. Selbstverständlich gehört sie nicht zu den Elsen, Agathen, Elisabethen, Evchen, der Marschallin, Gräfin, Manon und Tosca.

Sie alle sind programmbedingte Erscheinungsformen von Lotte Lehmann. Als was sie sich auch kostümiert, ihr Espressivo schlägt durch den Stoff wie ein Blutfleck. In den Schubert-, Schumann-, Brahmsliedern fällt das Kostüm weg, das Ereignis ist das gleiche. Im Nussbaum wispert, in Ewiger Liebe schwört, in Frauenliebe und -leben ergießt sich ganz und gar diese stramme, kolossal einfühlsame, gern außer sich geratende, unbedingte, unbeirrbare, durchsetzungsfähige Person aus Perleberg. Man mag es oder mag es nicht, wird im übrigen gar nicht erst danach gefragt, sondern überwältigt, und irgendwann, ohne Widerrede, einfach umgehauen. Wie oft, lieber Herr Gesangverein, und mit wem widerfährt einem solcherlei heute?

Zum damaligen Bouquet gehören auch einige Herbstzeitlose des Repertoires, die niemand mehr sich ansteckt. Da wären die religiösen Lieder und Hymnen, die Lehmann in brandenburgischem Gottvertrauen schmettert. Oh heilger Geist, kehr bei uns ein(1929). Leider kehrte dann ganz jemand anderer ein. Damit wiederum hängt zusammen, dass der Name Volkslieder jetzt beinahe sittenwidrig klingt. (Für Brahms nicht!)

Bekanntlich ist eins der Merkmale hoher Kunst, dass sie sich in Selbstverständlichkeit verbirgt. Wenn Lehmann oder R. Tauber die ‘Königskinder‘ und ‘In einem kühlen Grunde’ vortragen, klingt’s wie in der Küche, ist es aber nicht. Hier den goldrichtigen Ton zu treffen, die Wehmut, die nicht triefelig, der Übermut, der nicht aufgedreht, die Erzählfreude, die nicht infantil klingt, ist seltener als Edelstein.

Des Weiteren bietet Vol. 2 verblühte Angebinde, wie die Rosenlieder des armen Fürst Philipp von Eulenburg, die der bekennende Paul-Hindemith-Hörer als halbseidenen Kitsch verschmäht. Meinetwegen, aber schön sind sie trotzdem, und sie schmeicheln Lehmanns aufgeputztem Deklamationsstil. (Wer meint, Elisabeth Schwarzkopf habe den erfunden, irrt. Sie knüpft daran an und entwickelt ihn. Ohne dies interessante Sujet auszuwalzen, sei nur soviel gesagt, dass bei der älteren ein U ein U ist und ein A und O das A und O sind.)

Mag man das Sterben der Rosenlieder bedauernd verschmerzen, gemahnt das bestrickend mezza voce angestimmte Wiegenlied Carl Maria von Webers an eine Kulturschande. Wo ist das Liedschaffen dieses Meisters geblieben, den Stravinsky treffend den „Prinzen“ nannte?

Zurück zu den Prinzessinnen: Wenn man so will, bildet Lehmann mit Elisabeth Schumann und Elisabeth Rethberg ein Dreigestirn des deutschen Soprans in der Zwischenkriegszeit, alle zuschlechterletzt außer Landes. Sie beerben Emmy Destinn – Frieda Hempel – Claire Dux und werden abgelöst von Schwarzkopf – Seefried – della Casa. Mehr oder minder leicht politisch angekratzt bliebe noch die Staffel der Daheimgebliebenen, Tiana Lemnitz – Maria Reining – Erna Berger zu nennen. Cebotari ist Berliner Staatsoper, aber keine deutsche Stimme, Meta Seynemeier lebte zu kurz und Emmy Bettendorf sang vorwiegend im Radio. Den Wagnerspielplan hüteten Frida Leider, Maria Müller und Martha Fuchs, letztere etwas artvergessen, indem sie statt „Mein Führer“ den obersten Opernfex des Reiches mit „Herr Hitler“ anredete. So schnöde kann der Knicks der Unangepassten geraten, aber darauf wollen wir nicht hinaus.

Die Nennung all der holden Namen soll den Kahlschlag, den Verlust, die Leere anzeigen, nachdem denn auch Grümmer, Rothenberger und Janowitz verstummt sind, die letzten Lerchen. In der Palette des Sopranfachs fehlt seither eine Grundfarbe, die bezopfte Maid, einsam in trüben Tagen, leise leise fromme Weise betend, den Guten Abend, Meister entbietend, dem Abscheulichen, wohin er auch eilt, nicht weichend, ein anderer soll mein Gebieter sein, und ich ihm untertan. Worte, die eingekleidet sein wollen in jenes innig keusche, burgunderweiße Timbre, das keiner mehr hat und will, es sei denn als Regietheaterklamauk.

Diesem längst verwelkten Gefühlsgarten entspross auch Lotte Lehmann, mit einem Absatz in der Sünde, eine kundryhafte Existenz, halb Magd des Herrn, halb enthemmt vom Liebestranke. Die ekstatisch züngelnde Leidenschaft, ihre geradezu brünstige Sieglinde ist so ansteckend, weil dem unbefleckten Schoß des Gretchentypus entsprungen. Ohne Enthaltsamkeitsgebot ist ja das emotionale Außersichsein des Lehmanntons nicht darstellbar. Außerhalb von was?

Damit das Sprengpulver sprengt, benötigt es eine Kapsel. Sie ist bei der Unterdreißigjährigen die perlmuttene Mädchenhaftigkeit, danach das hausfraulich Gesetzte. Beides dient allein dazu, mit Aplomb in die Luft zu fliegen. Es bedarf nicht langer Erörterung, warum der gegenwärtigen Generation Lyrisch-Dramatischer diese Gefühlslage unzugänglich ist, weswegen sie sich willfährig als Gestörte und Dämliche inszenieren lassen.

Für Lehmann sind, wie gesagt, die Schicksale von Opernfiguren lauter Selbsterfahrungsmomente: das Los gefährdeter, nein, sich selbst preisgebender Unschuld. Bietet Elsa dem erträumten Streiter für ihre Erbfolgeangelegenheiten „alles, was ich bin“ zum Lohn (als ob ein Gralsritter damit anzuwerben wäre) so liest Lehmann dies umgekehrt: Das, was ich bin, ist dies mit anzüglichem Unterton verheißene „alles“. Und jetzt genug davon.

Was wäre diese ganze zudringliche Emphase ohne die nachgerade kreatürliche Musikalität. Wie nahte ihr denn der Schlummer? Mit einem leichthin parlierenden „Wie“, einem aahnungsvollen Nahen, einem unmerklich verzögerten, wie wartenden Sch-lll-ummer und (alles längst her) bevor, bevor, bevor in kindlicher Vorzeit ich – und jetzt fährt der Blitz bebender Brautzeit in die jungferliche Heia – „ich iiih-n geseeeh’n“. Das ist nur  e i n e  Zeile, die ohne laborierte Affigkeit in Wort, Klang und Melodie betörenden Duft verströmt. Eine extreme Ausformung sämtlicher Parameter, eine Bedeutungshaftigkeit jeder Vokalfarbe, eine Präzision der Ausdrucksgeste – da wird nichts Eingeübtes abgespult, kein Kunststückchen feilgeboten, da entblößt sich der pochende Herzmuskel.

Um ehrlich zu sein, danach braucht man Erholung bei der schnörkellosen Rethberg, der ergreifenden Schlichtheit Schumanns. Aber man soll sie nicht gegeneinander ausspielen. Lotte ist anstrengend wie das Leben. Jörg Friedrich

Lehmann erzählt 1      LL liest Dichtungen:  Kennst du das Land   Ganymed    Der du von dem Himmel bist   Geheimes   Der Schäfer   Peregrina I   Gebet  Im Frühling   Der Genesene an die Hoffnung   Begegnung   Nimmersatte Liebe    Verborgenheit   Dichterliebe  Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen   Der Rosenkavalier Monologen   Das Marien Leben

Interviews: 1969 Karwin1968 Exner;  WienSalzburgWien 2;

Deutsche Lehmann Biografien: von Steffi Line

von Gerlinde Hnatek

Kurz auf deutsch

Rundfunk Skript

Nachruf

Briefwechsel zwischen Lotte Lehmann und Erich Korngold:

02.11.1921 Lotte Lehmann an Erich
Hamburg, 2. Nov. 21
Sehr geehrter Herr Korngold!
Wie war Ihr Konzert gestern Abend herrlich! und nun heute Abend noch einmal ein herrlicher Genuß, Ihre “Tote Stadt” zu hören unter Ihrer persönlichen Leitung.
Die Oper ist so schön, dass ich sie morgen zum 15. Mal höre.
Vor Ihrer Abreise habe ich noch eine Bitte an Sie! Unterschreiben Sie bitte beifolgende Bilder?
Im Voraus schon meinen herzlichsten Dank!
Frdl. Grüße !
Lotte Lehmann

15.04.1924 Erich an Lotte Lehmann
Berlin, den 15. April 1924
Liebe Lotte!
Ich kann nicht abreisen, ohne Dir neben meinem Generaldank an den Generalintendanten auch meinen ganz besonderen Dank für Deine ebenso ganz besondere Leistung auszudrücken.
Du warst wunderbar, charmant bei aller Verderbtheit, wie es das Wesen der Figur erfordert. Ich wünsche mir auch kein Härchen mehr Verruchtheit oder “Glaubhaftigkeit”. Dramatische Gestaltungskraft gesangliche Akzente und Höhepunkte, Keuschheit der Linie (in der Totenszene) – alles war da; dabei Leidenschaftlichkeit, Wahrhaftigkeit des Ausdrucks und Hingabe an das Werk (bei dem sich – siehe “b.z.”[Berliner Zeitung] – der Magen umdreht!). Ich danke Dir tausendmal und von ganzem Herzen und hoffe, dass Deine grandiose Leistung erst in Wien völlig erkannt und gewürdigt werden wird.
Nochmals: Dank und alles Liebe.
In aufrichtiger Verehrung und Ergebenheit
Dein treuer
Erich Wolfgang Korngold

29.09.1927 Erich an Lotte Lehmann
Hamburg, den 29. Sept. 1927
Liebe, hochverehrte Lotte!
Ich sende Dir die allerherzlichsten Grüsse aus Hamburg und die innigsten Wünsche für den Wiener Probenverlauf! Hat mich schon Dein Helianengesang in Wien zu Tränen gerührt, so kann ich Dir ehrlich sagen, dass ich auch hier nichts zu lachen habe… Ich hoffe aber, dass ich auch hier eine schöne Aufführung erleben werde, wenn auch natürlich Niveau und Format nicht an unserer einzigen Wiener Oper gemessen werden dürfen. Zweck meines Schreibens ist: ich beschwöre Dich, liebe Lotte, ängstige Dich nicht und lasse Dir nicht die Lust nehmen, wenn das Orchester in Wien zu laut sein wird. Ich habe hier durch unzählige, geringfügige Retouchen, die ich alle nach meiner Rückkehr in Wien eintragen werde, erreicht, dass die Singstimmen durchwegs dominieren – sowohl in allen dramatischen sowie auch ganz besonders in allen lyrischen Pianostellen! Dabei ist das Orchester jetzt hier doppelt so laut wie vor dem Umbau des Theaters, ja vielleicht sogar stärker als in Wien, während man von den Sängern ruhigen Gewissens behaupten kann, dass sie eher schwächer sind als die Wiener…!!!
Bitte, sage dies auch unserem Freunde Piccaver, er soll unter keinen Umständen verzagen: es sind in der ganzen Oper kaum 10 Tenortakte, die das Orchester übertönen wird. Nochmals alles Liebe und die herzlichsten Grüsse Dir und Deinem verehrten Gatten – auch von meiner Frau –
von Deinem getreuen
Erich Wolfgang Korngold

Eine Rundfunksendung ein Jahr nach Lotte Lehmanns Tod: Sendung 1977

Peter Clausen, unser fabelhafter Forschungsmitarbeiter in Wien, hat uns einen wunderbaren Reisebericht zugeschickt den Lehmann über ihre wichtige Süd-Amerikanische Opern Tournee in 1922 geschrieben hatte.  Der Bericht erschien ursprünglich in der Neue Freie Presse am 3. November 1922.

(Peter Clausen, my wonderful research connection in Vienna, has sent a wonderful report that Lehmann wrote about her important opera tour in South America in 1922. It appears in the Neue Freie Presse of 3 November 1922.)

Many thanks to Peter Clausen for the historic Turandot Vienna premier review. Turandot – 1926 Heft 102 Die Buehne

Lotte Lehmann • Ausnahmekünstlerin der Opernwelt

“Denn ich halte davor, der Dichter soll seine Umrisse auf ein weitläufig gewobenes Zeug aufreißen, damit der Musikus vollkommenen Raum habe, seine Stickerei mit großer Freiheit und mit starken oder feinen Fäden, wie es ihm gut dünkt, auszuführen. Der Operntext soll ein Karton sein, kein fertiges Bild.” Johann Wolfgang von Goethe

Nördlich von Berlin, in Perleberg ist Lotte Lehmann am 27. Februar 1888 geboren, sie war eine der größten Sopranistinnen des 20. Jahrhunderts, darüber hinaus eine anerkannte Dichterin, Schriftstellerin und Malerin. Doch die Opernwelt blieb immer ihre Welt,
für sie eine Welt, in der sie sich ausleben konnte, mit all der Theatralik und der Kraft, der Interpretation der verschiedensten Rollen. Dieses sich immer wieder neu erfinden, das hatte für Lotte Lehmann ihren ganz besonderen Reiz, es entsprach ihrer Ausdrucksfähigkeit. Bereits als Kind zeigte sich ihr Talent, das auch ihre Eltern wohlwollend betrachteten; doch lehnte der Vater, selbst ein kleiner, solider, wilhelminischer Beamter, eine Bühnenkarriere für seine Tochter ab, er hätte es lieber gesehen, wenn sie einen ‚ordentlichen Beruf’ erlernt hätte. Doch die willensstarke Tochter Charlotte ließ sich dahingehend nicht beirren und nachdem sie die Aufnahmeprüfung an der Königlichen Hochschule für Musik in Berlin bestanden hatte, willigte auch der Vater ein. Sie rundete ihre klassische Ausbildung dann in Berlin ab und hatte dabei die besten Gesangslehrer ihrer Zeit. Im Herbst 1910 debütierte sie an der Hamburger Oper in der Zauberflöte. Es folgten Engagements an großen Bühnen bis sie 1916 zum gefeierten und geliebten Star der Wiener Hof-, der späteren später Staatsoper wurde. Sich in Wien damals als Preußin durchzusetzen, sowohl bei den Kollegen wie auch beim Publikum, waren nicht selbstverständlich, doch ihr Können und ihre Persönlichkeit überstrahlte alles, da hatten Ressentiments keinen Platz. So entwickelte sie sich zu einer bedeutenden Strauss- und Wagnerinterpretin, die Triumphe auf den Bühnen der Welt feierte, sie trat in Paris, London, Buenos Aires, Chicago, San Francisco und New York City auf und jedes Mal brandete der Applaus des Publikums. Der berühmte Leo Slezak beschrieb sie folgendermaßen: „Sie besaß das Geheimnis, das einzige
Geheimnis, das wir haben: Herz. Ein Ton, der aus dem Herzen kommt, geht dem Hörer zu Herzen, vielleicht weiß er nicht einmal, was eigentlich ihm solche Freude bereitet, was ihn so zufrieden und glücklich macht.“
Zu den Bewunderern ihrer Gesangskultur und ihres verzehrenden Bühnentemperaments zählten Puccini, Toscanini und Caruso. Aber auch das private Glück durfte sie erleben, früh lernte sie, Otto Krause-Jakobowitz kennen und lieben, doch war dieser verheiratet und wollte sich von seiner schwer kranken Frau nicht trennen, so lebten sie jahrelang‚ nur’ zusammen, bis sie 1926 heirateten. Sie gestalteten ihren Lebensmittelpunkt in Wien, wo Otto Krause-Jakobowitz sein Bankhaus. Nach der Machtübergabe 1933 an die Nationalsozialisten, bot ihr Hermann Göring, der neben Adolf Hitler, einer ihrer größten Bewunderer war, die Aufnahme in den nationalsozialistischen Kunstbetrieb als ‚Erste Dame’ an. Empört lehnte Lotte Lehmann ab und packte noch am selben Tag, löste ihre Wohnung auf und zog gänzlich nach Wien. [Nicht alles reine Wahrheit] Vor dem Anschluss Österreichs 1938 an das Deutsche Reich emigrierte sie, mit ihrem Mann, wie viele andere NS-Opfer, und fand eine neue Heimat in den Vereinigten Staaten. Von 1938 bis 1945 wurde die Metropolitan Opera in New York der Mittelpunkt ihres Künstlerlebens, von dem aus sie die Amerikaner mit ihrer Sangeskunst und anrührenden Rollenverkörperung begeisterte. Leider erlebte ihr Mann diese Triumphe nicht mehr,  und dem Aufbau einer neuen Existenz in den USA als Exilant, kam auch die körperliche Schwäche hinzu, so dass er nicht genug Abwehrkräfte hatte um eine Lungenentzündung zu überstehen. Er verstarb 1939 mit erst 56 Jahren; ein tiefer Einschnitt im Leben von Lotte Lehmann.  1951 verkündete sie während eines Konzerts in der New Yorker Town Hall das Ende ihrer Bühnenkarriere. Lotte Lehmann sagte: “Ich nehme an, Sie wissen, dass die Marschallin im ‚Rosenkavalier’ eine meiner liebsten Rollen gewesen ist. Diese Marschallin ist eine sehr kluge Frau. Sie schaut in den Spiegel, und sie sagt: Es ist Zeit. Ebenso habe ich, als Sängerin, in den Spiegel geschaut, und nun sage ich: Es ist Zeit”. Ein Kritiker schrieb über sie: “Ihre Stimme jauchzte lerchenhaft auf, um nachtigallensüß zu verschweben. Sie besaß die so seltene Begabung, dem Wort denselben Stellenwert zu verleihen wie der Musik. Wenn sie vom Frühling sang, dann glaubte man ihr förmlich den frischen Hauch des Frühlings, wenn sie die Rose besang, den Duft der Rose zu spüren. Darüber aber stand der Glanz ihrer einzigartigen Persönlichkeit, der in seiner Unnachahmlichkeit fast jeden berühre, der diese außergewöhnliche
Künstlerin noch persönlich erleben durfte.” Neben Leo Slezak, Jan Kiepura, Joseph Schmitt und Richard Tauber trat sie mit allen Größen der damaligen Opernwelt auf; zu ihrem engsten Freundeskreis zählte die Familie Mann, vor allen Dingen Erika und Thomas; was sie auch bewegte, nach ihrem Abschied von der Bühne, nach Kalifornien zu ziehen. In Santa Barbara lehrte sie Gesang, wobei sie kommende Größen der Opernwelt unterrichtete. Ferner entdeckte sie sich neu, in dem schrieb und malte. Ihre Bücher und Gedichte lassen einen großen Einblick in ihr Seelenleben zu und in ihren Bildern zeigt sie eine Zartheit, die so gar nichts mit der Theatralik der Opernbühne gemein hat. Obwohl Lotte Lehmann nach dem Krieg häufig in Europa war, sie wurde mit Preisen und Ehrungen schier überhäuft, blieb sie in Kalifornien und behielt auch ihre US-Staatsbürgerschaft, die sie seit 1945 innehatte. Im August 1976 verstarb sie in Santa Barbara und wurde am 24. Februar 1977 auf dem Wiener Zentralfriedhof, in einem Ehrengrab der Stadt Wien beigesetzt. Damit ging ihr Wunsch in Erfüllung, in Wien ihre letzte Ruhestätte zu finden, wo sie die glücklichste Zeit ihres Lebens verbracht hatte. Auf ihrem Grabstein steht Richard Strauss’ Ausspruch über sie: “Sie hat gesungen, dass es die Sterne rührte.”
Auf dem Walk of Fame in Hollywood wurde ihr ein Stern vergeben, zu finden in Höhe 1735 Hollywood Boulevard. Fälschlicherweise wird ihr Vorname dort ‚Lottie’ geschrieben.

   

Also from Herr Clausen, Lehmann in Intermezzo, Ariadne auf Naxos and Frau ohne Schatten. You can click on the image to see it larger or here, to see full-size. And now, from 1927 a photo of Lehmann in Fidelio.

   

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