Von Tenor Leo Slezaks Mein Lebensmärchen: Achtes Kapitel: Lilly und Lotte Lehmann. [Slezak schreibt ein paar Seiten über Lilly] …Mit mir sang sie Fidelio, schuf immer noch eine edle große Gestalt, war aber, was Innigkeit und Herzenswärme anbelangt, ihrer jungen Namensvetterin Lotte Lehmann weit unterlegen, nicht mit dieser zu vergleichen.

Lotte Lehmann war mir von den vielen Leonoren, mit denen ich gesungen habe, die liebste. Sie hatte das Geheimnis, das einzige Gehimnis, das wir haben –Herz. Wenn das Herz zu sprechen anfängt, schläft es alles um sich herum, den Verstand, die schönste Stimme, die vollendetste Gesangskunst und die glänzendste Routine. Der Ton, der aus dem Herzen kommt, geht zum Herzen des Hörers, der vielleicht gar nicht weiß, woran es liegt, warum ihm so warm wird, was ihn so befriedigt –so beglückt.

…Mit Lotte Lehmann verbindet mich heute noch eine herzliche Freundschaft. Sie lebt jetzt in Santa Barbara in Kalifornien und wird in Amerika als die überragende Künstlerin gefeiert, die sie hier gewesen war. Noch immer gilt sie als prominenteste Darstellerin der Feldmarschallin im Rosenkavalier.

Auserdem ist sie auch unter die Schriftsteller gegangen! Solltest du, liebes Lottchen, mich in deinem sicher epochalen Werk erwähnen, bitte verschweige, wie schlimm ich auf der Buhne war, den das würde den seriösen Eindruck, den ich stets mache, gefärden! Im übrigen schreibt sie wunderbare Briefe. Einer der allerster Briefe, die ich nach dem Kreige von drüben erhielt, war von ihr..