Lehmann auf Deutsch

Eine Auswahl von Dokumenten die Lotte Lehmann auf Deutsch zeigen.

Lotte Lehmann auf DeutschNach ihrem Debüt als einer der drei Pagen in Wagners Lohengrin am Hamburger Stadttheater wurde Lotte Lehmann sogleich daselbst engagiert; 1914 an die Wiener Hofoper berufen, “fand sie höchste Anerkennung als Wagner- und vor allem Strauss-Sängerin” (MGG VIII, 497). Größte Triumphe feierte sie als Marschallin in Strauss’ Rosenkavalier – “in deren Interpretation sie ohne Vorgängerin und fast auch ohne Nachfolgerin geblieben und in der das Einzigartige ihres Künstlertums und ihres Stimmcharakters zu letzter harmonischer Durchdringung gelangt ist” (ebd., 497f.). Weltweite Tourneen unternehmend, war sie seit 1934 an der New Yorker Met verpflichtet und sang im selben Jahr auch in Toscaninis erstem amerikanischen Radiokonzert. Sich zusehends seit den 40er Jahren – zu deren Beginn sie nach Santa Barbara übersiedelte – von Konzert und Oper zurückziehend, lebte sie als Gesangslehrerin, Malerin und Autorin einiger Bücher bis zu ihrem Tod in Kalifornien.

Lehmann erzählt 1

Deutsche Lehmann Biografien: von Steffi Line

von Gerlinde Hnatek

Kurz auf deutsch

Rundfunk Skript

Nachruf

Briefwechsel zwischen Lotte Lehmann und Erich Korngold:

02.11.1921 Lotte Lehmann an Erich
Hamburg, 2. Nov. 21
Sehr geehrter Herr Korngold!
Wie war Ihr Konzert gestern Abend herrlich! und nun heute Abend noch einmal ein herrlicher Genuß, Ihre “Tote Stadt” zu hören unter Ihrer persönlichen Leitung.
Die Oper ist so schön, dass ich sie morgen zum 15. Mal höre.
Vor Ihrer Abreise habe ich noch eine Bitte an Sie! Unterschreiben Sie bitte beifolgende Bilder?
Im Voraus schon meinen herzlichsten Dank!
Frdl. Grüße !
Lotte Lehmann

15.04.1924 Erich an Lotte Lehmann
Berlin, den 15. April 1924
Liebe Lotte!
Ich kann nicht abreisen, ohne Dir neben meinem Generaldank an den Generalintendanten auch meinen ganz besonderen Dank für Deine ebenso ganz besondere Leistung auszudrücken.
Du warst wunderbar, charmant bei aller Verderbtheit, wie es das Wesen der Figur erfordert. Ich wünsche mir auch kein Härchen mehr Verruchtheit oder “Glaubhaftigkeit”. Dramatische Gestaltungskraft gesangliche Akzente und Höhepunkte, Keuschheit der Linie (in der Totenszene) – alles war da; dabei Leidenschaftlichkeit, Wahrhaftigkeit des Ausdrucks und Hingabe an das Werk (bei dem sich – siehe “b.z.”[Berliner Zeitung] – der Magen umdreht!). Ich danke Dir tausendmal und von ganzem Herzen und hoffe, dass Deine grandiose Leistung erst in Wien völlig erkannt und gewürdigt werden wird.
Nochmals: Dank und alles Liebe.
In aufrichtiger Verehrung und Ergebenheit
Dein treuer
Erich Wolfgang Korngold

29.09.1927 Erich an Lotte Lehmann
Hamburg, den 29. Sept. 1927
Liebe, hochverehrte Lotte!
Ich sende Dir die allerherzlichsten Grüsse aus Hamburg und die innigsten Wünsche für den Wiener Probenverlauf! Hat mich schon Dein Helianengesang in Wien zu Tränen gerührt, so kann ich Dir ehrlich sagen, dass ich auch hier nichts zu lachen habe… Ich hoffe aber, dass ich auch hier eine schöne Aufführung erleben werde, wenn auch natürlich Niveau und Format nicht an unserer einzigen Wiener Oper gemessen werden dürfen. Zweck meines Schreibens ist: ich beschwöre Dich, liebe Lotte, ängstige Dich nicht und lasse Dir nicht die Lust nehmen, wenn das Orchester in Wien zu laut sein wird. Ich habe hier durch unzählige, geringfügige Retouchen, die ich alle nach meiner Rückkehr in Wien eintragen werde, erreicht, dass die Singstimmen durchwegs dominieren – sowohl in allen dramatischen sowie auch ganz besonders in allen lyrischen Pianostellen! Dabei ist das Orchester jetzt hier doppelt so laut wie vor dem Umbau des Theaters, ja vielleicht sogar stärker als in Wien, während man von den Sängern ruhigen Gewissens behaupten kann, dass sie eher schwächer sind als die Wiener…!!!
Bitte, sage dies auch unserem Freunde Piccaver, er soll unter keinen Umständen verzagen: es sind in der ganzen Oper kaum 10 Tenortakte, die das Orchester übertönen wird. Nochmals alles Liebe und die herzlichsten Grüsse Dir und Deinem verehrten Gatten – auch von meiner Frau –
von Deinem getreuen
Erich Wolfgang Korngold

Eine Rundfunksendung ein Jahr nach Lotte Lehmanns Tod: Sendung 1977

Peter Clausen, unser fabelhafter Forschungsmitarbeiter in Wien, hat uns einen wunderbaren Reisebericht zugeschickt den Lehmann über ihre wichtige Süd-Amerikanische Opern Tournee in 1922 geschrieben hatte.  Der Bericht erschien ursprünglich in der Neue Freie Presse am 3. November 1922.

(Peter Clausen, my wonderful research connection in Vienna, has sent a wonderful report that Lehmann wrote about her important opera tour in South America in 1922. It appears in the Neue Freie Presse of 3 November 1922.)

Many thanks to Peter Clausen for the historic Turandot Vienna premier review. Turandot – 1926 Heft 102 Die Buehne

Lotte Lehmann • Ausnahmekünstlerin der Opernwelt

“Denn ich halte davor, der Dichter soll seine Umrisse auf ein weitläufig gewobenes Zeug aufreißen, damit der Musikus vollkommenen Raum habe, seine Stickerei mit großer Freiheit und mit starken oder feinen Fäden, wie es ihm gut dünkt, auszuführen. Der Operntext soll ein Karton sein, kein fertiges Bild.” Johann Wolfgang von Goethe

Nördlich von Berlin, in Perleberg ist Lotte Lehmann am 27. Februar 1888 geboren, sie war eine der größten Sopranistinnen des 20. Jahrhunderts, darüber hinaus eine anerkannte Dichterin, Schriftstellerin und Malerin. Doch die Opernwelt blieb immer ihre Welt, Lotte Lehmann 1936für sie eine Welt, in der sie sich ausleben konnte, mit all der Theatralik und der Kraft, der Interpretation der verschiedensten Rollen. Dieses sich immer wieder neu erfinden, das hatte für Lotte Lehmann ihren ganz besonderen Reiz, es entsprach ihrer Ausdrucksfähigkeit. Bereits als Kind zeigte sich ihr Talent, das auch ihre Eltern wohlwollend betrachteten; doch lehnte der Vater, selbst ein kleiner, solider, wilhelminischer Beamter, eine Bühnenkarriere für seine Tochter ab, er hätte es lieber gesehen, wenn sie einen ‚ordentlichen Beruf’ erlernt hätte. Doch die willensstarke Tochter Charlotte ließ sich dahingehend nicht beirren und nachdem sie die Aufnahmeprüfung an der Königlichen Hochschule für Musik in Berlin bestanden hatte, willigte auch der Vater ein. Sie rundete ihre klassische Ausbildung dann in Hamburg und München ab und hatte dabei die besten Gesangslehrer ihrer Zeit. Im Herbst 1910 debütierte sie an der Hamburger Oper in der Zauberflöte, mit großem Erfolg. Es folgten Engagements an großen Bühnen bis sie 1914 zum gefeierten und geliebten Star der Wiener Hof-, der späteren später Staatsoper wurde. Sich in Wien damals als Preußin durchzusetzen, sowohl bei den Kollegen wie auch beim Publikum, waren nicht selbstverständlich, doch ihr Können und ihre Persönlichkeit überstrahlte alles, da hatten Ressentiments keinen Platz. So entwickelte sie sich zu einer bedeutenden Strauss- und Wagnerinterpretin, die Triumphe auf den Bühnen der Welt feierte, sie trat in Paris, London, Buenos Aires, Chicago, San Francisco und New York City auf und jedes Mal brandete der Applaus des Publikums. Der berühmte Leo Slezak beschrieb sie folgendermaßen: „Sie besaß das Geheimnis, das einzige Plattencover Lotte lehmannGeheimnis, das wir haben: Herz. Ein Ton, der aus dem Herzen kommt, geht dem Hörer zu Herzen, vielleicht weiß er nicht einmal, was eigentlich ihm solche Freude bereitet, was ihn so zufrieden und glücklich macht.“ Zu den Bewunderern ihrer Gesangskultur und ihres verzehrenden Bühnentemperaments zählten Puccini, Toscanini und Caruso. Aber auch das private Glück durfte sie erleben, früh lernte sie, 1916 beim Fürsten Metternich, den schneidigen K.u.K. Kavallerieoffizier und Bankier Otto Krause-Jakobowitz kennen und lieben, doch war dieser verheiratet und wollte sich von seiner schwer kranken Frau nicht trennen, so lebten sie jahrelang‚ nur’ zusammen, bis sie ein Jahr nach dem Tod seiner Ehefrau, 1926 heirateten. Sie gestalteten ihren Lebensmittelpunkt in Berlin, doch waren sie häufig auch in Wien, wo Otto Krause-Jakobowitz sein Bankhaus und seine Villa hatte. Nach der Machtübergabe 1933 an die Nationalsozialisten, bot ihr Hermann Göring, der neben Adolf Hitler, einer ihrer größten Bewunderer war, die Aufnahme in den nationalsozialistischen Kunstbetrieb als ‚Erste Dame’ an, mit der (noch) als Bitte formulierten ‚Anweisung’, sich von ihrem nicht-jüdischen Ehemann scheiden zu lassen. Empört lehnte Lotte Lehmann ab und packte noch am selben Tag, löste ihre Wohnung auf und zog gänzlich nach Wien. [Nicht alles reine Wahrheit] Vor dem Anschluss Österreichs 1938 an das Deutsche Reich emigrierte sie, mit ihrem Mann, wie viele andere NS-Opfer, und fand eine neue Heimat in den Vereinigten Staaten. Von 1938 bis 1945 wurde die Metropolitan Opera in New York der Mittelpunkt ihres Künstlerlebens, von dem aus sie die Amerikaner mit ihrer Sangeskunst und anrührenden Rollenverkörperung begeisterte, auch als Regisseurin von Operninszenierungen machte sie sich einen Namen. Leider erlebte ihr Mann diese Triumphe nicht mehr, seelisch geschwächt durch antisemitische Ausschreitungen in Berlin und Wien und dem Aufbau einer neuen Existenz in den USA als Exilant, kam auch die körperliche Schwäche hinzu, so dass er nicht genug Abwehrkräfte hatte um eine Lungenentzündung zu überstehen. Er verstarb 1939 mit erst 56 Jahren; ein tiefer Einschnitt im Leben von Lotte Lehmann. Einen neuen Partner sah man nie wieder an ihrer Seite. 1951 verkündete sie während eines Konzerts in der New Yorker Town Hall das Ende ihrer Bühnenkarriere. Lotte Lehmann sagte: “Ich nehme an, Sie wissen, dass die Marschallin im ‚Rosenkavalier’ eine meiner liebsten Rollen gewesen ist. Diese Marschallin ist eine sehr kluge Frau. Sie schaut in den Spiegel, und sie sagt: Es ist Zeit. Ebenso habe ich, als Sängerin, in den Spiegel geschaut, und nun sage ich: Es ist Zeit”. Ein Kritiker schrieb über sie: “Ihre Stimme jauchzte lerchenhaft auf, um nachtigallensüß zu verschweben. Sie besaß die so seltene Begabung, dem Wort denselben Stellenwert zu verleihen wie der Musik. Wenn sie vom Frühling sang, dann glaubte man ihr förmlich den frischen Hauch des Frühlings, wenn sie die Rose besang, den Duft der Rose zu spüren. Darüber aber stand der Glanz ihrer einzigartigen Persönlichkeit, der in seiner Unnachahmlichkeit fast jeden berühre, der diese außergewöhnliche Briefmarke Lotte lehmannKünstlerin noch persönlich erleben durfte.” Neben Leo Slezak, Jan Kiepura, Joseph Schmitt und Richard Tauber trat sie mit allen Größen der damaligen Opernwelt auf; zu ihrem engsten Freundeskreis zählte die Familie Mann, vor allen Dingen Erika und Thomas; was sie auch bewegte, nach ihrem Abschied von der Bühne, nach Kalifornien zu ziehen. In Santa Barbara lehrte sie Gesang, wobei sie kommende Größen der Opernwelt unterrichtete. Ferner entdeckte sie sich neu, in dem schrieb und malte. Ihre Bücher und Gedichte lassen einen großen Einblick in ihr Seelenleben zu und in ihren Bildern zeigt sie eine Zartheit, die so gar nichts mit der Theatralik der Opernbühne gemein hat. Obwohl Lotte Lehmann nach dem Krieg häufig in Europa war, sie wurde mit Preisen und Ehrungen schier überhäuft, blieb sie in Kalifornien und behielt auch ihre US-Staatsbürgerschaft, die sie seit 1945 innehatte. Im August 1976 verstarb sie in Santa Barbara und wurde am 24. Februar 1977 auf dem Wiener Zentralfriedhof, in einem Ehrengrab der Stadt Wien beigesetzt. Damit ging ihr Wunsch in Erfüllung, in Wien ihre letzte Ruhestätte zu finden, wo sie die glücklichste Zeit ihres Lebens verbracht hatte. Auf ihrem Grabstein steht Richard Strauss’ Ausspruch über sie: “Sie hat gesungen, dass es die Sterne rührte.”
Auf dem Walk of Fame in Hollywood wurde ihr ein Stern vergeben, zu finden in Höhe 1735 Hollywood Boulevard. Fälschlicherweise wird ihr Vorname dort ‚Lottie’ geschrieben.

   

Also from Herr Clausen, Lehmann in Intermezzo, Ariadne auf Naxos and Frau ohne Schatten. You can click on the image to see it larger or here, to see full-size. And now, from 1927 a photo of Lehmann in Fidelio.

   

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