Das Veilchen

Ein Veilchen auf der Wiese stand,
Gebückt in sich und unbekannt;
Es war ein herzigs Veilchen.
Da kam ein’ junge Schäferin
Mit leichtem Schritt und munterm Sinn
Daher, daher,die Wiese her, und sang.

Ach! denkt das Veilchen, wär ich nur
Die schönste Blume der Natur,
Ach, nur ein kleines Weilchen,
Bis mich das Liebchen abgepflückt
Und an dem Busen matt gedrückt!
Ach nur, ach nur ein Viertelstündchen lang!

Ach! aber ach! das Mädchen kam
Und nicht in Acht das Veilchen nahm,
Ertrat das arme Veilchen.
Es sank und starb und freut’ sich noch:
Und sterb’ ich denn, so sterb’ ich doch
Durch sie, durch sie,zu ihren Füßen doch.

Das arme Veilchen!
Es war in herzig’s Veilchen!

The Little Violet

A violet grew on the meadow,
Lowly and unnoticed;
It was a sweet violet.
Along came a young shepherdess
Lightly stepping, contentedly
Along, along, into the meadow, and sang.

Ah! thinks the violet, if I were only
Nature’s fairest flower
For just a little while,
Until that darling picks me
And presses me to her breast!
Ah, only for a quarter of an hour!

Ah! but alas! The girl came by
And didn’t notice the violet,
Stepped on the poor violet.
It sank and died, yet happy:
And though I die, I shall have died
Through her, through her, at her feet.

Poor violet!
It was a charming violet.

Die Zufriedenheit (the baritone doesn’t sing all the strophes and the soprano skips the final one)

Was frag’ ich viel nach Geld und Gut,
Wenn ich zufrieden bin?
Gibt Gott mir nur gesundes Blut,
So hab’ ich frohen Sinn,
Und sing’ aus dankbarem Gemüt
Mein Morgen- und mein Abendlied.

So Mancher schwimmt im Überfluß,
Hat Haus und Hof und Geld
Und ist doch immer voll Verdruß
Und freut sich nicht der Welt.
Je mehr er hat, je mehr er will,
Nie schweigen seine Klagen still.

Da heißt die Welt ein Jammertal
Und däucht mir so schön, —
Hat Freuden ohne Maß und Zahl, —
Läßt Keinen leer ausgeh’n.
Das Käferlein, das Würmelein
Darf sich ja auch des Maien freu’n.

Und wenn die gold’ne Sonn’ aufgeht,
Und golden wird die Welt,
Und Alles in der Blüte steht,
Und Ähren trägt das Feld,
Dann denk’ ich alle diese Pracht
Hat Gott zu meiner Lust gemacht.

Dann preis’ ich Gott und lobe Gott
Und schweb’ in hohem Mut
Und denk’: Es ist ein lieber Gott,
Und meint’s mit Menschen gut. —
Drum will ich immer dankbar sein
Und mich der Güte Gottes freu’n!

Contentment (the baritone doesn’t sing all the strophes and the soprano skips the final one)

What need have I of money and property
if I am happy!
If God just gives me good health
then I am at peace
and will gratefully sing
my morning- and evening-song.

So many people have more than they need,
with a house, estate and money.
Yet they are never satisfied
and take no pleasure in the world.
The more they have, the more they want;
they are always complaining.

They call the world a vale of tears
and yet it seems so beautiful to me.
It has countless joys
and lets no one leave empty-handed.
The little beetle and little bird
can also enjoy May.

And when the golden sun rises
and the world turns to gold,
and everything is in bloom,
and the fields are full of corn,
then I think: all this splendour
God has made for my pleasure.

Then I praise and glorify God
and my spirits soar.
And I think: it is a good God,
who means mankind well.
So I shall be ever thankful
and rejoice in His goodness.

Komm, liebe Zither, komm

Komm, liebe Zither, komm,
Du Freundin stiller Liebe,
Du sollst auch meine Freundin sein.
Komm, dir vertrau‘ ich
Die geheimsten meiner Triebe,
Nur dir vertrau‘ ich meine Pein.

Sag‘ ihr an meiner Statt,
Ich darf ihr’s noch nicht sagen,
Wie ihr so ganz mein Herz gehört;
Sag‘ ihr an meiner Statt,
Ich darf’s ihr noch nicht klagen,
Wie sich für sie mein Herz verzehrt.

Come, dear zither, come

Come, dear zither, come,
you friend of silent love.
You shall be my friend too.
Come, I shall confide in you
my most intimate desires,
confide only my anguish.

Tell her on my behalf,
for I cannot tell her yet,
how completely my heart belongs to her;
tell her on my behalf,
for I cannot complain to her yet,
how my heart burns for her.

Abendempfindung an Laura

Abend ist’s, die Sonne ist verschwunden,
Und der Mond strahlt Silberglanz;
So entfliehn des Lebens schönste Stunden,
Fliehn vorüber wie im Tanz!

Bald entflieht des Lebens bunte Szene,
Und der Vorhang rollt herab.
Aus ist unser Spiel, des Freundes Träne
Fließet schon auf unser Grab.

Bald vielleicht – mir weht, wie Westwind leise,
Eine stille Ahnung zu –
Schließ ich dieses Lebens Pilgerreise,
Fliege in das Land der Ruh’.

Werd‘t ihr dann an meinem Grabe weinen,
Trauernd meine Asche seh’n,
Dann, o Freunde, will ich euch erscheinen
Und will Himmel auf euch weh’n.

Schenk auch du ein Tränchen mir, und pflücke
Mir ein Veilchen auf mein Grab,
Und mit deinem seelenvollen Blicke
Sieh dann sanft auf mich herab.

Weih mir eine Träne und ach!
schäme Dich nur nicht, sie mir zu weih’n;
Oh, sie wird in meinem Diademe
Dann die schönste Perle sein!

Evening Thoughts of Laura

It is evening, the sun has vanished
and the moon casts a silvery gleam;
thus vanish life’s fairest hours,
flying by as if in a dance.

Soon life’s rich pageant is over
and the final curtain falls.
Our revels now are ended, and a friend’s tear
falls on to our grave.

Soon perhaps, like a gentle west wind

over me will pass

a quiet sense of life’s journey’s end,
and I will fly to the land of rest.

Should you then weep by my grave
and mourn over my ashes,
then, friends, I shall appear to you
and breathe of heaven.

Shed a tear for me and

pick a violet for my grave;

and with your soulful glance
look gently down on me.

Dedicate a tear to me and oh!
don’t be ashamed to do it.
Oh, it will be the most beautiful
jewel in my crown!

Der Zauberer

Ihr Mädchen, flieht Damöten ja!
Als ich zum ersten Mal ihn sah,
Da fühlt‘ ich,- sowas fühlt‘ ich nie,
Mir ward – mir ward – ich weiß nicht wie!
Ich seufzte, zitterte und schien mich doch zu freu’n:
Glaubt mir, er muß ein Zaub’rer sein!

Sah ich ihn an, so ward mir heiß,
Bald ward ich rot, bald ward ich weiß,
Zuletzt nahm er mich bei der Hand:
Wer sagt mir, was ich da empfand!
Ich sah, ich hörte nicht, sprach nichts als Ja und Nein –
Glaubt mir, er muß ein Zaub’rer sein!

Er führte mich in dies Gesträuch,
Ich wollt‘ ihn fliehn und folgt‘ ihm gleich:
Er setzte sich, ich setzte mich:
Er sprach – nur Silben stammelt‘ ich;
Die Augen starrten ihm, die meinen wurden klein:
Glaubt mir, er muß ein Zaub’rer sein!

Entbrannt drückt‘ er mich an sein Herz,
Was fühlt‘ ich! Welch ein süßer Schmerz!
Ich schluchzt‘, ich atmete sehr schwer!
Da kam zum Glück die Mutter her;
Was würd‘, o Götter, sonst nach so viel Zauberei’n
Aus mir zuletzt geworden sein!

The Sorcerer

Girls, run away from Damon!
When I first saw him,
I felt something I’d never felt before,
I felt, I felt like I know not what!

I sighed, trembled and yet seemed happy:

believe me, he must be a sorcerer!

When I looked at him I became hot,
red one moment and white the next.
Finally he took me by the hand:
who can say what I felt then!
I saw and heard nothing,
said nothing but ‘yes’ and ‘no’.
Believe me, he must be a sorcerer!

He led me into these bushes;
I wanted to run away, yet I followed him.
He sat down and I sat down:
he spoke but all I could do was stammer;

he gazed at me, my eyes narrowed!

Believe me, he must be a sorcerer!

Passionately he pressed me to him.
What a feeling! Such sweet pain!
I sobbed, I breathed so heavily!
Just then, by good luck, my mother came by;

oh gods, whatever would so much sorcery

have otherwise done to me!

Die Alte

Zu meiner Zeit, zu meiner Zeit
Bestand noch Recht und Billigkeit.
Da wurden auch aus Kindern Leute,
Aus tugendhaften Mädchen Bräute:
Doch alles mit Bescheidenheit.
O gute Zeit!
Es ward kein Jüngling zum Verräter,
Und unsre Jungfern freiten später,
Sie reizten nicht der Mütter Neid.

O gute, Zeit!

Zu meiner Zeit, zu meiner Zeit
ward Pflicht und Ordnung nicht entweiht.
Der Mann ward, wie es sich gebühret,
Von einer lieben Frau regieret,
Trotz seiner stolzen Männlichkeit!
O gute Zeit!
Die Fromme herrschte nur gelinder,
Uns blieb der Hut und ihm die Kinder;
Das war die Mode weit und breit.
O gute Zeit!

Zu meiner Zeit, zu meiner Zeit
war noch in Ehen Einigkeit.
Jetzt darf der Mann uns fast gebieten,
Uns widersprechen und uns hüten,
Wo man mit Freunden sich erfreut.
O schlimme Zeit!
Mit dieser Neuerung im Lande,
Mit diesem Fluch im Ehestande
Hat ein Komet uns längst bedräut.
O schlimme Zeit!

The Old Woman

In my day, in my day,
justice and propriety still existed.
Children became upright citizens
and virtuous girls became brides.
But all was done with modesty.
O happy days!
No boy would cheat on his sweetheart
and our girls courted later.
They gave their mothers no cause for concern.
O happy days!

In my day, in my day,
duty and order were not violated.
The husband was, as is only proper,
ruled by a loving wife,
in spite of his masculine pride.
O happy days!
The devout wife ruled, but gently,
and the children were in his care.
That was how things were, far and wide.
O happy days!

In my day, in my day,
there was still harmony in marriage.
Nowadays the husband can almost order us around,
contradict us and stop us
from having a good time with our friends.
O what bad times!
With this novelty in the land,
with this curse on matrimony,
we were long ago threatened by a comet.
O what bad times!

Die Verschweigung

Sobald Damötas Chloën sieht,
So sucht er mit beredten Blicken
Ihr seine Klagen auszudrücken
und ihre Wange glüht.
Sie scheinet seine stillen Klagen
Mehr als zur Hälfte zu versteh’n,
Und er ist jung, und sie ist schön:
Ich will nicht weiter sagen.

Vermißt er Chloën auf der Flur,
Betrübt wird er von dannen scheiden;
Dann aber hüpft er voller Freuden,
Entdeckt er Chloën nur.
Er küßt ihr unter tausend Fragen

Die Hand, und Chloë läßt’s gescheh’n,
Und er ist jung, und sie ist schön:
Ich will nichts weiter sagen.

Sie hat an Bluhmen ihre Lust,
Er stillet täglich ihr Verlangen;
Sie klopfet schmeichelnd ihm die Wangen,
Und steckt sie an die Brust.
Der Busen bläht sich, sie zu tragen,
Er triumphiert, sie hier zu seh’n;
Und er ist jung, und sie ist schön:
Ich will nichts weiter sagen.

Wenn sie ein kühler, heitrer Bach,
Beschützt von Büschen, eingeladen,
In seinen Wellen sich zu baden,
So schleicht er listig nach.
In diesen schwülen Sommertagen
Hat er ihr oftmals zugeseh’n,
Und er ist jung, und sie ist schön:
Ich will nichts weiter sagen.

Concealment

As soon as Damoetas sees Chloe,
he follows her with speaking glances
to express his pleas
And her cheek glows.
She seems to understand his secret pleas
more than by half,
and he is young, and she is beautiful
I won’t say any more.

If Chloe is not around,
he leaves distressed;
but he is merrily frolicking,
as soon as he spots her.
He kisses her hand asking a thousand questions
And Chloe indulges it/him,
and he is young, and she is beautiful:
I won’t say any more.

She cherishes flowers
And he quenches her thirst daily;
She softly strokes his cheeks
And pins the posy onto her breast.
Her bosom proudly swells because of them.
He is triumphant to see them there,
and he is young, and she is beautiful:
I won’t say any more.

If a refreshing, merrily runnig along creak,
Protected by underbrush, invites her
To take a bath in its waves,
He cunningly sneaks close by.
In these hot summer days
He often watched her,
and he is young, and she is beautiful:
I won’t say any more.

Im Frühlingsanfang

Erwacht zum neuen Leben
Steht vor mir die Natur,
Und sanfte Lüfte weben
Durch die verjüngte Flur.
Empor aus seiner Hülle
Drängt sich der junge Halm,
Der Wälder öde Stille
Belebt der Vögel Psalm.

O Vater, deine Milde
Fühlt Berg und Tal und Au,
Es grünen die Gefilde,
Beperlt vom Morgentau;
Der Blumenweid’ entgegen
Blöckt schon die Herd’ im Tal,

Und in dem Staube regen
Sich Würmer ohne Zahl.

Die Flur im Blumenkleide
Ist, Schöpfer, dein Altar,
Und Opfer reiner Freude
Weiht dir das junge Jahr;
Es bringt die ersten Düfte
Der blauen Veilchen dir,
Und schwebend durch die Lüfte
Lobsingt die Lerche dir.

Lobsing’ ihm, meine Seele,
Dem Gott, der Freuden schafft!
Lobsing’ ihm und erzähle
Die Werke seiner Kraft!
Hier von dem Blütenhügel
Bis zu der Sterne Bahn
Steig’ auf der Andacht Flügel
Dein Loblied himmelan!

The Beginning of Spring

Awoken to new life,
nature stands before me.
And gentle breezes
waft across the refreshed meadows.
New grass-stems force themselves out of their sheaths.
The birds’ songs brighten up
the deserted stillness of the forest.

O Father, your gentleness
fills mountain, valley and meadow.
The fields become green,
sparkling with the morning dew.
The herd in the valley bleats
as it nears the flower-filled meadows and
countless worms
wriggle in the dust.

Creator, the flower-filled meadow
is your altar
and the new year offers
up to you a sacrifice of pure joy.
It brings to you the first scent
of the blue violet.
And soaring up in the air
the skylark sings you a hymn of praise.

Sing His praises, my soul,
praise God who creates joy.
Sing His praises
and tell of the power of His works!
Here from the flower-decked hill
up to the path to the stars
let your song of praise
ascend to heaven on wings of piety.